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"Im Handstand über die Zimmerdecke"

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Im Handstand über die Zimmerdecke

Neuerscheinung: Im Handstand über die Zimmerdecke

Ein erster Versuch, Gedanken Gegebenheiten und Ereignisse aus meinem Pensionistenleben als Buch zu veröffentlichen. In diesem Buch finden Sie kurze, lustige, aber auch nachdenklich stimmende Geschichten aus meinen ersten 2 Jahren als Pensionierter. Der Anstoss mit dem Schreiben anzufangen, war eine wunderbare Bergwanderung im Bündnerland, aber auch die Unterstützung eines ebenfalls pensionierten Freundes, welcher den Schritt, ein eigenes Buch zu veröffentlichen, schon gewagt hat.

Legen Sie sich in den Liegestuhl, lesen Sie und schmunzeln Sie dabei. Oder schenken Sie es Freunden und Bekannten.

Bestellungen an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.   oder per Telefon 079 247 91 68

Verlag für Lebensfreude

Matthias P. Müller
Auf der Höhe 13
5742 Kölliken

www.nullconsult.ch

ZUR EINSTIMMUNG:

Verschnupft, hustend und noch im Nebel, erwache ich an
besagtem Tag und es trifft mich wie ein Knebel: Kirchenpflegesitzung,
heute abend. Die Geschäfte sind es nicht,
die mich schneller als üblich aufstehen lassen, die Finanzen
vom letzten Jahr sind zwar rot, aber das bringt mich
nicht all zu arg in Not. Auch die Sanierung der Kirche nach
dem Brand bringt mich weder ausser Rand noch ausser
Band. Neue Damen sind an der Sitzung zu empfangen,
da werde ich wohl nicht bangen. Also wo liegt denn der
Hund der heutigen Sitzung begraben? In der Nähe von
Kuchen und Literatur, ersterer für die Pause und zweitere
für „zur Einstimmung“ an der Sitzung.
Ich steche – ungeduscht noch – in die Küche, öffne Türchen
und Schubladen, grabe im Kochbücherstapel und
überlege, was ich für meine Kollegen und Kolleginnen zusammenmischen
soll. Für den ungeübten Kuchenmonteur
gibt es glücklicherweise die Werke von der Frau Bussey.
Bettie gibt dem Hilfsbäcker viel Information, „jo e ganzi
Schwetty“. 250g aus dem Kasten oben links, weisses
Blähmittel aus der Dose ganz unten hinten, Mehl ist auch
zu finden, Eier im Kühlschrank, Schüsseln, aber welche? Ich
beisse mich durch das Rezept und fühle mich doch etwas
krank. Ach die Eier sind zu trennen und prompt fällt das
Gelbe in das Weisse ... Sch..... Nach geglückter Klärung
der Formfrage, fülle ich den angeteigten Brei hinein und
schiebe das Ganze zur Wärmebehandlung in den Ofen.
Ich steh nun in der Küche, rieche die Kuchenwohlgerüche,
schaue auf die Uhr, ojeee die Literatur! Die andern
kommen meist mit einem kleinen blauen, grünen oder
weissen Büchlein mit Engel oder sonst was Einfühlsamem
4
auf dem Buchdeckel zur Sitzung, schlagen dieses lässig
auf und lesen daraus einen tiefgründigen, das Nachdenken
anregenden Spruch oder ein Geschichtchen vor. Die
müssen über ganze Bibliotheken verfügen, Bei mir: Das
schmale Angebot bringt mich fast aus dem Lot. Wo sind
sie, die Sinnbüchlein, die Werke von Heine, Mann, Rilke
oder Grass, nein der ist zu krass. Bei Kant und Hegel da
streich ich die Segel. Dann geht er auf, der Morgenstern,
Christian, der Enkel des Malers und Schreiber vor dem
Herrn, den habe ich gern. Die Einstimmung wird handfest,
einfach und witzig sein:
Die beiden Esel
Ein finstrer Esel sprach einmal
zu seinem ehelichen Gemahl:
"Ich bin so dumm, du bist so dumm,
wir wollen sterben gehen, kumm!"
Doch wie es kommt so öfter eben:
Die beiden blieben fröhlich leben.
5
IM KUNSTHAUS AARAU
Es fängt schon mit dem Eingang an, welcher mir sehr in
mein räumliches Empfinden und architektonisches Chörbli
passt. Die geschwungene Wendeltreppe tut dann auch
mal eben das Ihre, um mich in Stimmung zu bringen. Das
Kunsthaus scheint einen grossen Fundus an Bildern zu
besitzen, welcher regelmässig ausgestellt wird. Doch alle
paar Jahre macht man eine eigene, nur für diese Bilder
hergerichtete Ausstellung. Wir haben eher die moderne
Abteilung angeschaut - frag mich nach Malernamen, die
gehen rein und tropfen wieder raus - und uns führen und
sagen lassen, was da so ist und wie es dazu kam. Nicht
eben meine Abteilung. Ich will Bilder einfach anschauen,
auch im Detail sehen wie sie gemacht sind und ob da was
an Technik für mich neu drin ist. Zwischen durch -
irgendwie schon mit einer Art Schaffens- und Ideendrang
angefüllt - ging ich nach draussen, eine Zigi rauchen. Ich
richtete meinen Blick ziemlich defokusiert Richtung Bahnhofstrasse,
sah Häuser, Lichterkegel, Bremslichter, unterschiedlich
beleuchtete Fassaden und dann kam es über
mich. Eben das Gefühl in meiner andern Welt zu sein.
Abgehängt von allem Realen rund um mich, nur noch
fotografieren und erschaffen wollen, viel Raum haben,
riesige weisse Wände um Bilder wirklich wirksam aufhängen
zu können. Grosse Dinger in Angriff nehmen und
dies alles mit einem perlenden Gefühl des inneren Friedens,
nahe an der grossen Zärtlichkeit des Alles-Hinnehmens
und Hingebens und Verstehens. Die grosse
Leichtigkeit des Seins [ich begreife diesen Filmtitel nun
endgültig, weiss was es sein kann]. Und dann fehlt mir nur
das Eine und ich würde weit weg in die blau-dunstige
6
Unendlichkeit abfliegen. Mich abmelden aus der Sache
hier auf der Kugel und verdampfen. In solchen Momenten
frage ich mich wie es wohl ist, wenn jemand "überegschnappet",
wegtritt, sich subtrahiert.
In der Zwischenzeit bin ich wieder gelandet, zuerst im
Kunsthaus, dann im Mürset und schliesslich im Atelier. Alles
weg, habe Mühe ein "anständiges Bild" zu skizzieren. Keine
Angst, ich kenne es, wenn nix kommt, Leere ist und meine
Energie wohl noch ennet der Grenze zum Andersland sitzt.
Verlass ist eben in solchen Momenten fast nur auf meine
Blechliebste, das Waldhorn. Es besänftigt mich dann
etwas, wenn wir zusammen schöne Töne in diese Realität
blasen.