Fortsetzung:
Alma Lanz
Als nächstes steht die Vorlesung eines Dozenten, den ich noch nicht kenne, auf dem Programm. Die Vorlesung ist gut besucht. Glücklicherweise finde ich noch einen idealen Platz in der zweiten Reihe und in der Nähe des Katheders.
Ein Blick auf den Dozenten hemmt meine Motivation ein wenig, denn dieser trägt einen Schnurrbart, der einen Teil seiner Lippen bedeckt. Was Guthörenden nicht weiter auffällt, ist für mich ein Hindernis, denn wie viel ich verstehe, hängt stark davon ab, wie gut ich den Mund des Sprechenden sehe.
Erfreulicherweise spricht der Dozent sehr laut und deutlich, so dass ich der Vorlesung gut folgen kann. Doch als er sich umdreht, um etwas an die Tafel zu schreiben, und dabei mit dem Rücken zum Hörsaal weiter spricht, ist es mit dem Verstehen vorbei. In der Pause spreche ich ihn höflich darauf an, informiere ihn über meine Behinderung und darüber, dass ich darauf angewiesen bin, seinen Mund zu sehen. Er reagiert verständnisvoll, entschuldigt sich und versichert mir, nicht mehr mit dem Rücken zum Publikum zu sprechen.